Rege Diskussionen rund um das Thema Desinformation

Desinformation als moderne Waffe – Gefährdung für unsere Demokratie?

Podiumsdiskussion mit vier Referenten und einem Moderator zu Desinformation

In Kooperation mit dem Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK) hatte das Landesdemokratiezentrum Schleswig-Holstein (LDZ) am 11. Februar zu der Veranstaltung „Desinformation als moderne Waffe – Gefährdung für unsere Demokratie?" eingeladen.

Was wurde besprochen?

Den Auftakt der Veranstaltung machte Fiete Stegers von der HAW Hamburg mit seinem Impuls „Was ist Desinformation und wie verbreitet sie sich?“. Stegers erläuterte zentrale Definitionen und Grundlagen der Desinformationsforschung und zeigte, über welche Kanäle und Mechanismen sich Falschinformationen verbreiten. Dabei griff er auf seine langjährige Erfahrung als Journalist und Wissenschaftler zurück und verwies auf Forschungsprojekte wie NOTORIUS, das die Rolle von Influencern bei der Verbreitung von Desinformation untersucht.

Es folgte ein Impuls zum Thema ausländische Einflussnahmen durch Desinformation von Dr. Florian Rudolph, der seit 2025 im BMI bei der Projektgruppe ZEAM – Zentrale Stelle zur Erkennung ausländischer Desinformation arbeitet. Er beleuchtete den strategischen Charakter von Desinformationskampagnen mit ausländischem Ursprung und stellte die ZEAM vor. Dabei zeigte er auf, wie sich gezielte Einflussnahme auf politische Prozesse und gesellschaftliche Debatten auswirken kann.

Wyn Brodersen, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena (IDZ), rückte unter der Überschrift „Wirkmechanismen & Demokratiegefahr“ gesellschaftliche und demokratische Folgewirkungen von Desinformation in den Mittelpunkt. Er diskutierte, inwiefern Falschinformationen das Vertrauen in Institutionen und die Diskussionskultur beeinträchtigen. Brodersen fördert im Rahmen des Projekts toneshift die Vernetzung von Akteuren gegen Hassrede und Desinformation und wirkt als Mitherausgeber des Online-Magazins Machine against the Rage.

Einen Praxiseinblick zu Alltagswirkung von Desinformation und Ausstiegsberatung gab Tom Willumeit, Pädagogischer Mitarbeiter im Projekt videre, Beratungs- und Präventionsangebot im Kontext von Verschwörungsideologien, Desinformationen und Reichsbürgertum in Schleswig-Holstein. Er sprach über Erfahrungen aus der Beratungs- und Präventionsarbeit mit Personen, die an Verschwörungsideologien oder Desinformationsnarrative glauben, und beschrieb pädagogische Ansätze sowie die Ausstiegsarbeit im Umgang mit demokratiefeindlichen und desinformationsanfälligen Gruppen.

Zur Diskussion

In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Fiete Stegers, Dr. Florian Rudolph, Wyn Brodersen, Udo Gerigk (videre) und Jannis Jost (ISPK) wurden Fragen aus dem Publikum aufgegriffen.

Diskutiert wurde unter anderem:

  • Wo sollte im Kampf gegen Desinformation vorrangig angesetzt werden – bei staatlichen Akteuren (z. B. Russland), Plattformbetreibern oder im Bildungswesen?
  • Welche Formen von Desinformation sind gesellschaftlich tolerierbar und welche besonders gefährlich?
  • Welche Rolle spielt Aufklärung und Bildung bei der Stärkung gesellschaftlicher Resilienz?
  • Sollte „Debunking“ (das Widerlegen von Falschinformationen) Aufgabe jedes Einzelnen sein?
  • In welchem Verhältnis steht die Absicht der Verbreiter zur tatsächlichen Wirkung von Desinformation steht?
  • Welche Chancen und Grenzen gesetzlicher Regelungen (z. B. Plattformrichtlinien, DSA, Strafrecht) bestehen?

Die Veranstaltung bot durch ein offenes Ende die Gelegenheit zum informellen Austausch. Insgesamt bot der Facharbeitstag einen umfassenden Überblick über Ursachen, Strategien, Folgen und Gegenmaßnahmen von Desinformation – von theoretischen Grundlagen über politische Mechanismen bis zu praktischer Präventionsarbeit.

Zurück